Dr. Christine Voßmerbäumer - Augen in Guten Händen

Auf welche Anzeichen achtet Ihre Augenärztin beim Glaukom bzw. beim Verdacht auf das Vorliegen eines Glaukoms?

(in Klammern sind jeweils die erforderlichen Untersuchungen angegeben)

  • Höhe, Schwankungsbreite, Seitendifferenz des Augeninnendrucks (Augeninnendruckmessung) evtl. Tagesdruckprofil)
  • Form, Größe und Art der Exkavation (Aushöhlung) des Sehnervenkopfes, jeweils im Seitenvergleich (mikrokoskopische Beurteilung)
  • Konfiguration der Netzhautgefäße in der Umgebung des Sehnerven, eventuelle Mikroblutungen (Fotogrammetrie, Grünlichtaufnahme)
  • Struktur des Pigmentepithels in der Umgebung des Sehnerven (Mikroskopie)
  • Gesichtsfelddefekte (statische oder kinetische Perimetrie=computergesteuerte Gesichtsfelduntersuchung)
  • Form des vorderen Augenabschnitts, insbesondere des Kammerwinkels, d.h. des winzigen Bereichs, in dem das innere Augenwasser (Kammerwasser) abfließen kann (Gonioskopie)
  • Dicke und Verteilung der Nervenfaserschicht der Netzhaut und des Sehnerven (Polarimetrie)
  • Dicke der Netzhautschichten am Rand des Sehnerven (optische Kohärenztomographie)
  • Allgemeine Anamnese, Familienanamnese
  • Blutdruck (Blutdrucktagesprofil vom Hausarzt)

Wer sollte auf jeden Fall Möglichkeiten zur Glaukomvorsorge nutzen?

Eigentlich jeder Mensch ab ca. dem 40. Lebensjahr! Ganz besonders wichtig jedoch ist es, wenn folgende Ausgangssituationen vorliegen, durch die das Risiko erheblich erhöht wird:

  • Menschen, die ihren Augeninnendruck überhaupt nicht kennen
  • Menschen, bei denen ein oder mehrere Male im Rahmen von Routineuntersuchungen ein erhöhter Augeninnendruck gemessen wurde
  • Verwandte mit Grünem Star
  • Menschen mit besonders dünner Hornhaut
  • Menschen mit hoher Kurzsichtigkeit
  • Menschen mit hoher Weitsichtigkeit
  • Patienten, die einmal eine Entzündung des Augeninneren bzw. der Regenbogenhaut (Uveitis) hatten
  • Patienten, die mit Cortison behandelt wurden oder werden
  • Patienten mit Diabetes, insbesondere bei diabetischen Augenerkrankungen
  • Menschen mit eher niedrigem Blutdruck (häufig kalte Hände oder Füße, Migräne)
  • Patienten mit Pseudoexfoliation (Bestimmte Proteinablagerungen im Auge, vom Augenarzt am Mikroskop erkennbar)
  • Patienten, die Operationen an Netzhaut oder Glaskörper hatten

Was beinhaltet Glaukomvorsorge?

Je nach individueller Risikosituation variiert der Umfang der Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung eines möglichen Glaukoms. Nicht immer müssen alle Register gezogen werden, um die Situation des Sehnerven beurteilen zu können und ggf. die Erkrankung feststellen zu können. Wir besprechen mit unseren Patienten jeweils, welche Kombination von Untersuchungen sinnvoll und notwendig ist, um unnötige Diagnostik zu vermeiden. Schließlich spielt hierbei auch der Kostenfaktor für unsere Patienten eine Rolle. Denn Glaukomvorsorge ist nicht im Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen enthalten.

Die Kosten für moderne Diagnostikmethoden, die im Verlauf der letzten fünfzehn Jahre die Möglichkeiten zur Früherkennung dieser Augenerkrankung revolutioniert haben, werden von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht übernommen. Lediglich sehr traditionelle Gesichtsfelduntersuchung und Augeninnendruckmessung bei bekanntem Glaukom sind über Ihre Chipkarte buchbar. Der Großteil der modernen hochtechnologischen Leistungen ist nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen von jedem Patienten selbst zu tragen.

Es hat sich erwiesen, dass bei sinnvoller Zusammenstellung des Diagnostikpaketes diese Ausgaben gut investiertes Geld sind. Schließlich besitzt der Mensch nur zwei Augen.

  • Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie)
  • Mikroskopische Untersuchung des Sehnervenkopfes
  • Messung des Gesichtsfelds (Perimetrie)
  • Fotografie des Sehnervenkopfes mit qualitativer Analyse, ggf. auch in rotfreiem/grünem Licht.
  • Computergesteuerte polarimetrische Messung der Nervenfaserschicht
  • Optische Kohärenztomographie des Sehnervenkopfes

Gesichtsfelduntersuchung:

Meist werden Untersuchungen des Gesichtsfeldes heute mittels computergesteuerter Schwellenwertperimetrie vorgenommen. Das bedeutet, dass für sehr viele verschiedene Punkte der Netzhaut die Schwelle der Empfindlichkeit bestimmt wird, bei der ein Lichtreiz gerade eben noch wahrgenommen wird.

Man schätzt, dass ca. 50% des Sehnerven untergegangen sind, wenn die ersten Anzeichen für eine Glaukomschädigung als Gesichtsfeldausfälle meßbar werden. Typischweise ist auch dann für die Patienten noch kein Sehverlust bemerkbar. Diese Gesichtsfeldausfälle können aber dennoch so ausgeprägt sein, dass für entscheidende Bereiche des Sehbereichs Blindheit besteht.

Nervenfaserschichtpolarimetrie:

Bild: GDx Aufnahme des Augenhintergrundes. Links ist die Makula zu erkennen, im Zentrum der Kreise der Sehnerv mit den großen Gefäßen der Netzhaut.

Um nicht warten zu müssen, bis die Hälfte aller Sehnervenfasern zerstört ist, bevor ein Glaukom diagnostiziert werden kann, gibt es heute computergesteuerte Lasermeßverfahren. Damit läßt sich die Dicke der Nervenfaserschicht auf der Netzhaut unmittelbar analysieren und es können über Jahre hinweg feinste subklinische Veränderungen aufgespürt werden. Eines der empfindlichsten Verfahren ist hierbei die Messung der Polarisation des Lichtes durch die Nervenfasern der Netzhaut (Bezeichnung: GDx). Nicht nur der Sehnerv selbst, sondern die zu ihm hinführenden Fasern außen herum lassen sich damit untersuchen, das Ergebnis kann dann grafisch dargestellt und rechnerisch ausgewertet werden.