Dr. Christine Voßmerbäumer - Augen in Guten Händen

Glaukom (Grüner Star)

Die Glaukome zählen zu den tückischsten Augenerkrankungen.
Warum?
Weil die Betroffenen meist nichts von der schwelenden Erkrankung bemerken, bis es zu spät ist.

Beim Glaukom kommt es zum schleichenden Untergang des Sehnerven, meist über viele Jahre hinweg. Der wichtigste Risikofaktor dafür ist der Druck, der im Inneren des Auges herrscht. Und leider verfügt der Körper kaum über Wahrnehmungsmechanismen, um zu merken, wie hoch der Augeninnendruck ist.

Nur in den seltenen Fällen, in denen der Druck extrem erhöht ist, macht sich das durch z.B. durch eine Rötung des Auges, durch Verschwommensehen, Schmerzen oder auch Übelkeit bemerkbar. Aber das ist, wie gesagt selten der Fall. Und wenn Patienten subjektiv ein Druckgefühl am, im oder hinter dem Auge verspüren, so liegt das meist gar nicht am Augeninnendruck, sondern am Tränenfilm des Auges, paradoxerweise.

Das Glaukom ist keine seltene Erkrankung, sondern eine häufige, für die das Risiko mit zunehmendem Lebensalter immer weiter steigt. Und das Glaukom ist eine progressive, d.h. stetig fortschreitende Erkrankung, die unbehandelt, oder nicht ausreichend behandelt zur Erblindung führt.

Dies ist auch heute noch selbst bei uns in Deutschland leider immer noch Realität. Jedes Jahr erblinden etliche Menschen am Glaukom, weil die Erkrankung nicht oder nicht rechtzeitig erkannt worden ist bzw. die Therapie nicht ausreichend angepasst wurde. Ein Glaukom ist in den meisten Fällen eine beidseitige Erkrankung.

Wichtig!: Inzwischen hat man aus wissenschaftlichen Untersuchungen erkannt, dass bei bis zu einem Drittel aller Glaukompatienten der Augeninnendruck überhaupt nicht oder nur manchmal erhöht ist. Während man früher glaubte, mit Druckmessung allein das Risiko ausreichend einschätzen zu können, weiß man heute, dass wesentlich differenziertere diagnostische Methoden zur Früherkennung eines Glaukoms erforderlich sind.

Die Gleichung Glaukom=hoher Augeninnendruck stimmt also nicht mehr! Zumindest nur noch in eine Richtung: hoher Augeninnendruck führt fast immer zum Glaukom, aber es ist eben nicht so, dass für die Entwicklung eines Glaukoms ein hoher Augeninnendruck erforderlich ist. Der Beginn der Glaukomerkrankung liegt häufig im fünften Lebensjahrzehnt. Es sind oft nur geringfügige Steigerungen des Augeninnendrucks, die ganz langsam die Nervenzellen im Auge schädigen und absterben lassen.

Dadurch entstehen Gesichtsfeldausfälle, die jedoch vom Patienten nicht bemerkt werden können. Sie lassen sich nur mit speziellen Geräten (sog. Perimeter=Gerät zur Messung des Gesichtsfeldes) nachweisen. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass sich solche Gesichtsfelddefekte (medizinisch: Skotome) erst messen lassen, wenn bereits ca. 50% der Sehnervenfasern abgestorben sind. Und auch dann wird vom Patienten meist noch keine Einschränkung der Sehfähigkeit wahrgenommen. Das bedeutet, dass der Untergang der Hälfte aller Sehnervenfasern sich nicht durch funktionelle Ausfälle bemerkbar macht.

Wenn der Patient/diePatientin subjektiv schlechter sehen, ist es also schon fünf vor zwölf und es geht unmittelbar darum, die Erblindung zu verhindern. Leider regeneriert sich der Sehnerv nicht, d.h., was verloren ist, ist verloren. Es ist einleuchtend, dass der Körper nicht eigentlich auf die Hälfte der Sehnervenfasern verzichten kann und dass es medizinisch erforderlich ist, möglichst frühe Anzeichen für den Beginn eines Glaukoms zu erkennen.