Dr. Christine Voßmerbäumer - Augen in Guten Händen

Makulaerkrankungen

Neben Linsentrübungen (Cataract) und Grünem Star (Glaukom) stellen Erkrankungen der Makula typischerweise eine der häufigsten Krankheitsgruppen dar, die heute in Deutschland zur funktionellen Erblindung führen. Auch hierbei sind vor allem ältere Menschen von den Symptomen betroffen. Aber ebenso gehen den verschiedenen Formen der Makuladegeneration zunächst langsam fortschreitende Veränderungen voraus, die schon im 6. Lebensjahrzehnt beginnen können und erst später funktionell bemerkbar werden.

Und wie beim Glaukom und bei der Cataract gilt auch bei Makuladegeneration, dass es sich um eine beidseitige Erkrankung handelt, die aber nicht immer beidseits gleich stark ausgeprägt ist.


Bild: Blutung in der Makula bei Makuladegeneration

Was ist eigentlich die Makula?

Mit dem Begriff „Makula“ bezeichnet man den zentralen Bereich der Netzhaut am hinteren Pol des Auges (umgangssprachlich auch „Gelber Fleck“ genannt). Dort ist eine besonders hohe Dichte an Sehzellen und die Sehinformation dieses Bereichs wird auch im Gehirn besonders detailliert ausgewertet. Daher sieht man mit der Makula, und nur mit der Makula auch wirklich scharf, undzwar das Zentrum des Gesichtsfeldes, d.h. den Bereich, den man jeweils „anschaut“. Sehinformation, d.h. Licht, das an anderen Stellen der Netzhaut (die ja fast den ganzen Augapfel hinter der Linse auskleidet) auftrifft, wird nur verschwommen wahrgenommen. Normalerweise fällt das nicht auf, denn der interessierende zentrale Bereich wird ja scharf wahrgenommen.

Erst wenn z.B. bei Makuladegeneration das Zentrum des Gesichtsfeldes ausfällt bzw. als grauer Schatten unscharf wird, merkt der Mensch, wie relativ schlecht das Sehvermögen außenherum, also fast überall sonst im Gesichtsfeld ist.

Makuladegeneration ist dabei ein Oberbegriff für verschiedene Veränderungen dieses besonders empfindlichen Teils der Netzhaut, die insbesondere jenseits des 60. Lebensjahres auftreten. Auch hierbei ist der Beginn oft schleichend und die Krankheit verläuft über Jahre hinweg unbemerkt, bis die Netzhaut soweit geschädigt ist, dass der/die Betroffene Schwierigkeiten z.B. beim Lesen merkt. Dies ist insbesondere bei den sogenannten „trockenen“ Formen der Makuladegeneration der Fall.

Diagnostikmöglichkeiten für Makuladegeneration

Fluoreszenzangiographie (FAG):

Hierbei wird ein spezieller Farbstoff in die Blutbahn injiziert und dann mit einer digitalen Mikroskopkamera die Verteilung von Blut und Blutbestandteilen in den Gefäßen der Netzhaut dargestellt. Damit können die Undichtigkeiten von Blutgefäßen, die oft am Beginn der Makuladegeneration auftreten, sichtbar gemacht werden. Ebenso können damit Blutungen und Blutungsquellen dargestellt werden.


Optische Kohärenztomographie (OCT):

Während mit dem Mikroskop und der Fluoreszenzangiographie nur der Blick auf die Netzhaut möglich ist, lassen sich mit dem OCT die einzelnen Schichten der Netzhaut im Querschnittsbild untersuchen. Dadurch kann man feststellen, ob und in welchen Schichten der Netzhaut Störungen vorliegen, Schwellungen, Flüssigkeitseinlagerungen etc. können untersucht werden, die sonst verborgen bleiben.

Bild: Optische Kohärenztomographie bei Makuladegeneration

Beide Methoden, FAG und OCT sind gegenseitig ergänzende Untersuchungstechniken. Oft ist es daher sinnvoll, ein Auge mit beiden Geräten zu untersuchen.

Therapiemöglichkeiten bei trockenen Makuladegenerationen

Bis heute existiert keine Therapie, die die Schäden bei trockener Makuladegeneration wieder beheben kann. Es gibt jedoch Möglichkeiten, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Hierzu zählen insbesondere spezielle Vitamin-Rezepturen. In großen internationalen Studien wurde der wissenschaftliche Nachweis erbracht, dass hierdurch die Verschlechterung hinausgezögert werden kann.

Therapiemöglichkeiten bei "Feuchter" Makuladegeneration

Daneben gibt es die Gruppe der sogenannten „feuchten“ Makuladegenerationen. Dabei kommt es zum Wachstum minderwertiger Gefäße, noch dazu an der falschen Stelle. Aus diesen Gefäßen treten Blutbestandteile oder Blut aus und beeinträchtigen das Sehvermögen. Und diese Verschlechterung kann bei der feuchten Makuladegeneration relativ schnell, teils sogar plötzlich eintreten. Diese rasche Verschlechterung kann so weit gehen, dass innerhalb weniger Tage oder sogar Stunden die Sehschärfe rapide abfällt, bis hin zur funktionellen Erblindung.

Seit wenigen Jahren gibt es Medikamente, mit denen das Wachstum neuer Gefäße unter der Netzhaut gehemmt werden kann. Diese Medikamente (z.B. Lucentis®, Avastin®) werden direkt in den Glaskörper, d.h. ins Augeninnere injiziert und entfalten dann über mehrere Wochen hinweg ihre Wirkung. Neben der Hemmung des Wachstums dieser schädlichen Blutgefäße, die die Sehstörungen bei der Makuladegeneration bedingen, können diese Wirkstoffe auch Undichtigkeiten von Gefäßen vermindern und damit Netzhautschwellungen reduzieren. Das Ergebnis ist eine Stabilisierung des Sehvermögens.

Die Injektion von Medikamenten ins Augeninnere erfolgt nach schonender örtlicher Betäubung (per Augentropfen) im Operationssaal, d.h. unter sterilen Bedingungen. Üblicherweise sind mehrere Behandlungen über einige Monate hinweg erforderlich, um die Krankheit „in den Griff zu bekommen“.